So erkennst du, welche Buchidee wirklich Potenzial hat
Manche Autorinnen und Autoren haben einfach Glück – sie finden immer die richtigen Themen. Aber dahinter steckt kein Zufall.
Wie du deine beste Buchidee findest
Manchmal wünschte ich mir, ich hätte eine kleine Kristallkugel auf dem Schreibtisch – eine, die mir zeigt, welches meiner vielen Notizbuch-Gedanken das Zeug zu einer richtig guten Geschichte hat. Leider (oder zum Glück!) funktioniert Schreiben nicht so. Wir können nicht einfach hineinsehen und wissen: „Das ist die Idee, die mich trägt, die Leser begeistert, die wirklich Erfolg bringt.“
Aber weißt du was? Auch die großen Autorinnen und Autoren dieser Welt haben keine Kristallkugel. Sie haben nur Neugier, Geduld und ein Gespür für das, was sie wirklich interessiert.
Und genau darum soll es heute gehen:
Wie du herausfindest, welche deiner Ideen wirklich Potenzial hat
Welche dich so begeistert, dass du dranbleibst – auch an Tagen, an denen du zweifelst oder müde bist. Und welche vielleicht sogar das Zeug dazu hat, am Markt zu funktionieren.
Ich zeige dir heute vier große Schritte – und mehrere kleine Übungen dazwischen –, mit denen du deine Ideen sammelst, sortierst, prüfst und auswählst.
Mach dir am besten einen Tee, schnapp dir dein Notizbuch (ja, gerne handschriftlich 😊) und dann lass uns loslegen.
Schritt 1: Alles auf den Tisch – dein Ideen-Brainstorming
Der erste Schritt klingt banal, aber er ist entscheidend: Sammle alles, was in deinem Kopf herumspukt.
Und ich meine wirklich alles.
Viele von uns tragen jahrelang Ideen mit sich herum. Angefangene Texte, ein paar Seiten im alten Notizbuch, eine Figur, die immer wieder auftaucht, ein Gespräch, das man belauscht hat und nicht mehr vergessen kann. All das sind Keimzellen für Bücher.
So gehst du beim Ideensammeln vor
Stell dir einen Timer – zehn, fünfzehn, vielleicht zwanzig Minuten – und dann schreib einfach los. Ohne Bewertung, ohne Nachdenken, ohne Löschen.
Schreibe auf:
· angefangene Projekte, auch halbfertige Szenen oder Konzepte
· Themen, über die du oft sprichst oder gerne liest
· Dinge, die dich wütend machen oder berühren
· Situationen, die du immer wieder beobachtest
· Fragen, die dich nicht loslassen
Wie gesagt, schreib mit der Hand, wenn du kannst. Ich weiß, das klingt altmodisch – aber wenn du schreibst, statt zu tippen, sortiert dein Gehirn anders. Es wird ruhiger, klarer. Die Gedanken bekommen Struktur, und plötzlich tauchen Ideen auf, die vorher im Hintergrund waren.
Lass dich dabei nicht vom inneren Kritiker bremsen. Es geht in dieser Phase nicht um Qualität, sondern um Quantität.
Wenn du nach zehn Minuten denkst, jetzt ist alles draußen – stell den Timer noch einmal. Meist kommt genau dann der spannende Teil: Ideen, die tiefer liegen, Themen, die du eigentlich verdrängt hast, aber die genau dein Material wären.
Schritt 2: Inspiration finden, wenn du noch keine Ideen hast
Vielleicht gehörst du zu denen, die sagen: „Ich habe gar keine Idee. Ich möchte schreiben, aber ich weiß nicht, worüber.“
Dann atme auf – du bist nicht allein. Viele Menschen, die mit dem Schreiben anfangen, glauben, sie müssten die perfekte Idee haben, bevor sie loslegen. Dabei verhält es sich so: Die Idee entsteht häufig erst im Prozess des Suchens.
Hier sind meine Lieblingsmethoden, um Ideen zu entdecken:
1. Lieblingswerke analysieren
Mach eine Liste deiner Lieblingsbücher, Filme, Serien, Theaterstücke.
Schau sie dir bewusst an: Was haben sie gemeinsam?
· Sind es starke Figuren?
· Emotionale Themen (Liebe, Verlust, Neubeginn)?
· Bestimmte Orte (Meer, Kleinstadt, Krankenhaus, Schule)?
· Stimmungen (Verliebtheit, Furcht vor Ungewissem, Familienglück)
Erkennst du Muster, erkennst du dich.
Denn das, was du gerne liest, zeigt, was dich innerlich bewegt – und das sind die Themen, über die du auch schreiben kannst.
2. Tropes & Muster entdecken
Wenn du magst, beschäftige dich einmal mit sogenannten Tropes – wiederkehrenden Figuren- oder Handlungsmustern.
„Enemy to Lovers“, „Found Family“, „Fish out of Water“, „Second Chance Love“ – das sind keine Klischees, sondern Bausteine, mit denen man Geschichten baut.
Vielleicht spürst du beim Lesen eines Tropes sofort: Ja, das will ich auch schreiben! Dann ist das ein guter Hinweis auf dein Thema.
Ein Beispiel:
Stell dir eine junge Ärztin vor, Laura, die ihren ersten Job in einer Kinderklinik antritt. Auf dem Parkplatz klaut ihr ein ebenso junger Kollege den letzten freien Platz. Wütend betritt sie die Station – und trifft dort auf denselben Typen, der nun ihr Teamkollege ist. Von da an funkt und knistert es, sie streiten, sie arbeiten zusammen, sie retten ein Kind – und am Ende wissen beide, dass sie ohne den anderen nicht sein wollen.
Klassisches „Enemy to Lovers“ – und funktioniert immer wieder, weil es Emotion, Konflikt und Nähe vereint.
3. Das „Was-wäre-wenn?“-Spiel
Das ist meine Lieblingsübung. Sie öffnet die Fantasie, ganz ohne Druck.
Setz dich hin und frage dich:
· Was wäre, wenn ich morgen aufwache und mein Handy zeigt Nachrichten aus der Zukunft?
· Was wäre, wenn meine Nachbarin heimlich ein Doppelleben als Krimiautorin führt – und jemand ihre Mordgeschichten nachahmt?
· Was wäre, wenn an Weihnachten plötzlich die Tür zufällt und fünf Gäste drei Tage lang nicht mehr rauskommen?
· Was wäre, wenn ich beim Spazieren im Wald etwas finde, das dort nicht hingehört – und das alles verändert?
Schreib jedes „Was wäre, wenn“ auf, das dir einfällt. Mach daraus ein Spiel – mit Freunden, Partnern, Kindern. Eine Person sagt „Was wäre, wenn…“, die nächste ergänzt „…und dann passiert…“.
So entstehen Dutzende kleiner Keime, aus denen große Geschichten wachsen können.
4. Inspiration von außen
Blättere in einer Zeitschrift, scrolle durch Online-Magazine, hör Podcasts, vor allem True-Crime- oder Lebensgeschichten-Podcasts.
Oft genügt ein Satz, um dein Kopfkino zu starten.
Ich habe schon Bücher geschrieben, die ihren Ursprung in einer kleinen Randnotiz einer Zeitung hatten.
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Schritt 3: Ideen prüfen – mit Herz, Kopf und Bauch
Wenn du jetzt eine lange Liste hast – wunderbar.
Aber natürlich sind nicht alle Ideen gleich stark.
Jetzt kommt der Ideen-Test.
1. Herz-Test
Lies jede Idee laut vor und spüre in dich hinein:
Zuckt da etwas? Wirst du neugierig? Oder fühlst du dich gleich gelangweilt?
Schreib zu jeder Idee spontan eine Zahl zwischen 1 und 10.
10 = sofort Feuer und Flamme
1 = nett, aber eher nicht
Dein Herz und den Bauch wissen erstaunlich gut, was dich wirklich bewegt.
2. Langzeit-Faszination
Frage dich: Kann mich diese Idee über Wochen oder Monate tragen?
Es gibt Themen, die sind spannend für drei Tage – aber dann verfliegt die Begeisterung.
Andere begleiten dich monatelang, weil sie zu deiner Lebensphase passen.
Wenn du zum Beispiel gerade Mutter eines kleinen Kindes bist, ist vielleicht ein Kinderbuch oder ein Roman über Familie genau dein Thema. Wenn du dich nach Ruhe und Struktur sehnst, könnte ein Cosy-Crime-Plot in einer idyllischen Landschaft passen.
3. Story-Potenzial
Überlege: Hat diese Idee Potenzial für Konflikt, Wandel, Entwicklung?
Gibt es einen Anfangszustand und ein Ende?
Eine Geschichte braucht Spannung – etwas, das sich verändert.
Wenn du nur eine Stimmung oder ein schönes Setting hast, frag dich: Was passiert dort? Wer will was – und was steht im Weg? Welches Hindernis muss überwunden werden?
4. Lebensrealität
Passt die Idee zu deinem Leben jetzt?
Ein riesiges Fantasy-Projekt mit fünf Königreichen und zwanzig Hauptfiguren ist toll – aber vielleicht nicht, wenn du gerade beruflich stark eingespannt bist. Dann wäre ein kleiner, klarer Roman oder ein Sachbuch-Projekt passender.
Deine erste Buchidee muss nicht riesig sein. Sie muss machbar sein.
5. Karriere-Perspektive
Manche Autorinnen und Autoren möchten gezielt ein Buch schreiben, das sich gut verkauft oder sie als Marke positioniert.
Wenn du dazu gehörst, kannst du auch fragen:
· Bedient meine Idee ein aktuelles Genre oder Thema, das gefragt ist?
· Würde mich das Buch beruflich erfolgreicher machen?
· Gibt es vergleichbare Bücher, die Erfolg hatten – und wo kann ich etwas Neues einbringen?
Aber sei ehrlich: Wenn dich die Idee innerlich kalt lässt, nützt auch ein Trend nichts.
6. Gänsehaut-Moment
Und dann: Lies alle Ideen noch einmal durch.
Welche bringt dich zum Lächeln? Bei welcher würdest du am liebsten sofort loslegen? Bei welcher Idee kribbelt es?
Genau diese Idee verdient es, ausprobiert zu werden!
Schritt 4: Von der Auswahl zum ersten Projekt
Jetzt hast du hoffentlich eine, vielleicht zwei Ideen, die dich wirklich packen.
Aber: Wie entscheidest du, womit du anfangen sollst?
Ich rate meinen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern immer, das Projekt zu wählen, das überschaubar ist – und das ihnen hilft, den Schreibprozess zu Ende zu erleben.
Wenn du dein erstes Buch schreibst, brauchst du vor allem eins: das Erlebnis, dass du etwas wirklich fertiggestellt hast.
Ob das 60 Seiten sind oder 200 – egal. Dieses Gefühl, am Schluss das Wort „Ende“ zu tippen, verändert alles.
Danach wirst du wissen, wie es sich anfühlt, durchzuhalten, zu überarbeiten, den Text zu strukturieren. Du wirst mutiger sein, strukturierter – und du wirst dich selbst ernster nehmen als Autorin oder Autor. Du weißt, dass du ein Buch schreiben kannst und das wird sich so stolz und stark machen!
Also: Starte klein und mit viel Herz!
Ein kurzer Roman, ein Kinderbuch, ein Ratgeber, ein Erfahrungsbericht. Alles ist erlaubt.
Drei Mini-Übungen, die Klarheit schaffen
Wenn du magst, kannst du diese Übungen gleich heute ausprobieren:
1. Ideen-Rangliste:
Schreib deine besten fünf Ideen auf. Gib ihnen Schulnoten von 1–6 in den Kategorien „Herzblut“, „Machbarkeit“, „Marktpotenzial“. Addiere die Punkte – deine Nummer 1 hat meist das beste Gesamtpaket.
2. Die 5-Minuten-Schnupperprobe:
Setz dich hin und schreib 15 Minuten frei über eine deiner Ideen. Wenn du am Ende Lust hast weiterzuschreiben, ist das ein gutes Zeichen. Wenn du dich quälst, probier die nächste. Stell dir dafür einen Timer, damit du nicht nach der ersten Minute aufgibst.
3. Die Zukunftsfrage:
Stell dir vor, du hältst in einem Jahr dein fertiges Buch in den Händen. Welche Idee würdest du gerne als real existierendes Buch sehen? Diese Vision zeigt dir, was dir wirklich wichtig ist.
Ein paar Worte über Trends, Märkte und Bauchgefühl
Oft höre ich die Frage: „Soll ich lieber das schreiben, was gerade gefragt ist?“
Meine Antwort: Vielleicht – aber nur, wenn du es wirklich liebst.
Trends kommen und gehen. Das, was heute in den Verlagsvorschauen dominiert, ist oft vor ein oder zwei Jahren geschrieben worden. Wenn du jetzt anfängst, einem Trend hinterherzulaufen, bist du meist schon zu spät.
Aber: Wenn sich dein Herzensthema zufällig mit einem Trend deckt – wunderbar! Dann nutze das. Nur sollte der Trend nie dein Hauptmotiv sein.
Denn das, was dich wirklich trägt, ist nicht Marktinteresse, sondern Begeisterung.
Du wirst Wochen haben, in denen dich niemand lobt, in denen du zweifelst, ob deine Idee gut ist. Dann bleibt nur die Freude am Thema, die Liebe zur Geschichte, die Neugier auf deine Figuren.
Das ist dein Kompass.
Warum es keine „perfekte“ Idee gibt
Viele Menschen suchen ewig nach der perfekten Buchidee. Aber Perfektion ist eine Illusion.
Ideen entwickeln sich, während du an ihnen arbeitest. Eine gute Idee ist nicht fertig, wenn du sie findest – sie entsteht im Schreiben.
Ich habe Projekte begonnen, die sich unterwegs völlig verändert haben: Nebenfiguren, die plötzlich die Hauptrolle übernahmen; Themen, die sich verschoben; Enden, die ich nicht geplant hatte. Obwohl ich eine Plotterin bin, die am Anfang jedes Buchs eine Gliederung entwirft!
Und genau das ist das Schöne am Schreiben: Du wächst mit jeder Seite, so wie auch dein Buch.
Darum: Warte nicht auf die geniale Eingebung. Fang an.
Das Schreiben selbst wird dir zeigen, ob eine Idee trägt oder nicht.
Der Mut, anzufangen
Vielleicht sitzt du jetzt da und denkst: „Ich habe eine Idee, aber ich traue mich nicht.“
Das ist völlig normal. Schreiben bedeutet, sich zu zeigen. Jede Geschichte trägt ein Stück von dir.
Aber genau das macht sie wertvoll.
Erinnere dich daran: Niemand sonst hat deine Perspektive, deine Erfahrungen, deine Stimme.
Selbst wenn hundert Leute über dasselbe Thema schreiben – du wirst es auf deine Weise erzählen.
Deine Aufgabe ist nicht, perfekt zu sein, sondern ehrlich.
Und was passiert als Nächstes?
Wenn du deine Ideen gesammelt, sortiert und getestet hast, kommt der nächste Schritt: Aus der Idee wird eine Geschichte.
Wie entsteht ein Plot? Wie baust du Figuren auf, die leben? Wie findest du ein Setting, das sich echt anfühlt?
Dazu werde ich bald den nächsten Newsletter an dich schicken. Ich zeige dir, wie du aus deinem Ideenzettel eine kleine, spannende Welt erschaffst – Schritt für Schritt, mit Herz und Struktur.
Bis dahin wünsche ich dir viele funkelnde Geistesblitze, ruhige Schreibstunden und das Vertrauen, dass die richtige Idee dich findet, wenn du ihr Raum gibst.
