Schreibroutine

Wie dein Buch fertig wird

Das Problem ist selten die Zeit (auch wenn das eine gute Ausrede ist:))

„Ich komme einfach nicht zum Schreiben.“ Diesen Satz höre ich öfter als jeden anderen. Und fast immer folgt dieselbe Erklärung: zu wenig Zeit, zu viel Alltag, zu viele andere Dinge, die wichtiger sind. Ich verstehe das gut, und trotzdem widerspreche ich an dieser Stelle freundlich, aber bestimmt. Denn in den allermeisten Fällen ist es nicht die fehlende Zeit, die dein Buch ausbremst. Es ist die fehlende Routine.

Wer darauf wartet, dass sich „mal ein freier Nachmittag“ ergibt, an dem die Muse küsst und die Wohnung still ist, wartet meistens sehr lange. Schreiben, das nur dann passiert, wenn alles andere erledigt ist, passiert einfach in der Praxis fast nie. Das Buch rutscht ans Ende der Liste, und das Ende der Liste erreichst du an den meisten Tagen nicht. Die Lösung ist deshalb nicht, mehr Zeit zu finden. Die Lösung ist, dem Schreiben einen festen Platz zu geben, an dem es nicht mehr verhandelbar ist.

Schreib in kurzen Einheiten: 2 x 25 Minuten

Der erste Baustein einer tragfähigen Schreibroutine ist kürzer, als die meisten denken. Du brauchst keinen freien Tag und keine drei Stunden am Stück. Zwei Einheiten von je 25 Minuten pro Tag reichen für den Anfang völlig aus. Das klingt fast zu wenig, aber genau darin liegt die Kraft. Eine Aufgabe, die nur 25 Minuten dauert, schreckt nicht ab. Du setzt dich leichter hin, weil das Ende schon absehbar ist, wenn du anfängst.

Diese kurzen Blöcke haben noch einen zweiten Vorteil: In 25 konzentrierten Minuten schreibst du oft mehr als in zwei zerfaserten Stunden, in denen du nebenbei E-Mails checkst und dreimal aufstehst. Stell dir einen Wecker, schließe alle anderen Fenster am Laptop, und schreib, bis er klingelt. Nach einer kurzen Pause folgt der zweite Block. Mehr braucht es am Anfang nicht.

Schreib jeden Tag zur selben Zeit

Der zweite Baustein macht aus dem einmaligen Vorsatz eine echte Gewohnheit: Schreib jeden Tag zur selben Zeit. Nicht „irgendwann heute noch“, sondern zum Beispiel jeden Morgen um sieben, bevor das Haus wach wird, oder jeden Abend um neun, wenn Ruhe einkehrt. Die feste Uhrzeit nimmt dir jeden Tag aufs Neue die Entscheidung ab, ob du schreibst. Du diskutierst nicht mehr mit dir selbst, du setzt dich einfach hin, weil es deine Schreibzeit ist.

Gewohnheiten entstehen durch Wiederholung im gleichen Rhythmus. Was du jeden Tag zur selben Zeit tust, wird nach wenigen Wochen so selbstverständlich wie Zähneputzen. Der innere Widerstand, der am Anfang noch da ist, wird mit jedem Tag leiser. Irgendwann fehlt dir das Schreiben sogar, wenn du es einmal auslässt.

Schreib immer am selben Ort

Der dritte Baustein ist der Ort. Such dir einen festen Platz, an dem du schreibst, und schreib möglichst immer dort. Das kann ein bestimmter Stuhl am Küchentisch sein, eine Ecke im Arbeitszimmer, ein Lieblingsplatz im Café. Wichtig ist nicht, wie schön der Ort ist, sondern dass er derselbe bleibt.

Warum das hilft? Dein Gehirn verknüpft Orte mit Tätigkeiten. Wenn du dich immer am selben Platz zum Schreiben hinsetzt, lernt dein Kopf mit der Zeit: Hier wird geschrieben. Du kommst schneller in den Fluss, weil der Ort selbst zum Signal wird. Du musst dich nicht erst mühsam sammeln, denn der Platz erledigt einen Teil dieser Arbeit für dich.

Drei kleine Bausteine, eine große Wirkung

2 x 25 Minuten, jeden Tag zur selben Zeit, immer am selben Ort. Das ist keine spektakuläre Methode, und gerade deshalb funktioniert sie. Sie verlangt dir keine Heldentat ab, sondern eine kleine, verlässliche Wiederholung. Genau so entsteht ein ganzes Buch. Nicht aus dem einen großen Schreibrausch im Urlaub, nicht aus dem Wochenend-Workshop, sondern aus den vielen unspektakulären Tagen, an denen du dich hingesetzt hast, weil es einfach dazugehörte. 

Dein Job jetzt: Fang diese Woche mit einem einzigen Block an. Such dir eine Uhrzeit, such dir einen Platz, stell den Wecker auf 25 Minuten. Und dann schreib.

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