Verlage sinnvoll auswählen

Vier Stunden die Axt schleifen – gute Vorbereitung ist alles

Nicht Masse, sondern Klasse

Abraham Lincoln soll einmal gesagt haben: Wenn er sechs Stunden Zeit hätte, um einen Baum zu fällen, würde er die ersten vier damit verbringen, die Axt zu schärfen. Ob der Satz wirklich von ihm stammt, ist umstritten. Aber er trifft einen wahren Kern, und er beschreibt fast perfekt, was beim Weg zum Verlag über Erfolg oder Enttäuschung entscheidet. Denn die meisten angehenden Autorinnen und Autoren greifen sofort zur Säge. Sie wollen ihr Manuskript so schnell wie möglich an so viele Verlage wie möglich schicken. Das fühlt sich erstmal gut an, ist aber der schnellste Weg zu einem Stapel Absagen (oder gar keiner Reaktion).

Warum Aktionismus beim Verlag nicht belohnt wird

Ich verstehe den Impuls sehr gut. Wenn ein Manuskript fertig ist, hat man lange darauf hingearbeitet, und man möchte endlich, dass etwas passiert. Also googelt man Verlagsadressen, kopiert dasselbe Anschreiben zwanzig Mal und drückt auf Senden. Das Problem ist: Ein Lektorat merkt sofort, ob eine Einsendung mit Sorgfalt und Kenntnis geschickt wurde oder ob sie Teil einer Rundmail an die halbe Branche ist. Ein Manuskript, das thematisch überhaupt nicht ins Programm passt, wird nicht deshalb angenommen, weil es an besonders viele Adressen ging. Es wird schneller aussortiert. Wer breit streut, erntet nichts.

Unsichtbar, aber entscheidend für den Erfolg

Übertragen auf den Verlagsprozess sind die vier Stunden des Axtschärfens die Vorbereitung, die niemand sieht und die trotzdem über alles entscheidet. Dazu gehört zuerst, die Verlage sorgfältig auszuwählen. Welche Häuser veröffentlichen überhaupt Bücher wie deines? Welches Programm passt zu deinem Thema, deinem Ton, deiner Zielgruppe? Fünf gut ausgewählte Verlage, an die du gezielt schreibst, sind mehr wert als fünfzig, die du wahllos anschreibst.

Dazu gehört ebenso ein professionelles Exposé, das sitzt. Ein Exposé, das dein Buch klar auf den Punkt bringt, das die Zielgruppe benennt und zeigt, warum gerade dieses Buch gerade in dieses Programm gehört. Und dazu gehört ein Anschreiben, das erkennen lässt, dass du dich mit genau diesem Verlag beschäftigt hast. Das alles ist Arbeit, die vor dem ersten Absenden passiert. Es ist unspektakulär, es dauert, und es ist der Teil, den die meisten am liebsten überspringen.

Wie das Schärfen konkret aussieht

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie viel Vorbereitung genug ist. Eine feste Zahl gibt es nicht, aber ein guter Anhaltspunkt ist: Bevor du ein Manuskript irgendwohin schickst, solltest du zu jedem Verlag auf deiner Liste einen Satz sagen können, warum genau dieses Haus zu deinem Buch passt. Kannst du das nicht, gehört der Verlag nicht auf die Liste. Schau dir an, welche Titel dort in den letzten zwei, drei Jahren erschienen sind, ob dein Thema und dein Ton dazu passen, und ob der Verlag überhaupt offen für unverlangte Einsendungen ist. Diese Recherche kostet pro Verlag vielleicht eine halbe Stunde, und sie verhindert, dass du deine Energie an Adressen verschwendest, bei denen dein Buch von vornherein keine Chance hat. Lieber eine kurze, sorgfältig geprüfte Liste als eine lange, die schnell zusammengeklickt ist.

Vorbereitung ist keine verlorene Zeit

Es fühlt sich zunächst so an, als würdest du Zeit verlieren, wenn du – nachdem das Manuskript endlich, endlich fertig ist – nicht sofort verschickst und in Verlagsportalen hochlädst. Tatsächlich ist es umgekehrt. Jede Stunde, die du in die Auswahl der richtigen Verlage, in ein starkes Exposé und in ein durchdachtes Anschreiben steckst, erhöht deine Chancen weit mehr, als es zwanzig zusätzliche Einsendungen je könnten. Der Baum fällt nicht schneller, wenn du mit stumpfer Axt draufloshackst. Er fällt schneller, wenn die Axt scharf ist.

Nimm dir deshalb bewusst die Zeit für die Vorbereitung, bevor du das erste Mal auf Senden drückst. Recherchiere deine Lieblingsverlage, feile an deinem Exposé, fülle alle notwendigen Teile darin, erstelle ein Anschreiben, das zeigt, dass du weißt, an wen du dich wendest (und zwar auf jeden Verlag individuell zugeschnitten). Diese unsichtbare Arbeit am Anfang ist es, die am Ende den Unterschied macht zwischen lauter Absagen und einer echten Chance.

Wie das mit der Vorbereitung genau geht, lernst du in meinem Workbook Vom Entwurf zum Exposé. Du kannst direkt damit anfangen.

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